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📅 27.06.2026 🏷️ WirtschaftPolitik

VW streicht 100.000 Stellen – Das Ende der deutschen Industrie wie wir sie kennen?

VW streicht 100.000 Stellen – Das Ende der deutschen Industrie wie wir sie kennen?

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VW streicht 100.000 Stellen – Das Ende der deutschen Industrie wie wir sie kennen?

Es ist der Paukenschlag, den viele kommen sahen, aber keiner wahrhaben wollte: Volkswagen, der größte Autokonzern Europas und lange Zeit das Rückgrat der deutschen Industrie, plant den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen weltweit. Vier deutsche Werke stehen vor der Schließung. Es ist der tiefste Einschnitt in der Geschichte des Konzerns – und ein Weckruf für die gesamte deutsche Wirtschaft.

Die Nachricht, die das Manager Magazin am Donnerstagabend veröffentlichte, traf die Republik wie ein Schlag. Betriebsratschefin Daniela Cavallo spricht von einer "Kriegserklärung" an die Belegschaft. Doch die bittere Wahrheit ist: VW hat dieses Problem nicht erst seit gestern. Der Konzern kämpft seit Jahren mit der Transformation zur Elektromobilität, verliert Marktanteile in China – seinem wichtigsten Absatzmarkt – und leidet unter den im internationalen Vergleich extrem hohen Energiekosten und Standortkosten in Deutschland.

Wer trägt die Verantwortung?

Natürlich ist es einfach, die Schuld bei der Politik zu suchen. Die Ampelkoalition (beziehungsweise was von ihr übrig ist) hat jahrelang eine Industrie- und Energiepolitik betrieben, die deutsche Autobauer systematisch benachteiligt. Während Frankreich seine Atomkraftwerke subventioniert und die USA mit dem Inflation Reduction Act Milliarden in grüne Technologien pumpt, wurde in Deutschland vor allem eines gemacht: reguliert, debattiert und gezögert. Der Staat hat den Ausstieg aus dem Verbrenner verbindlich gemacht, ohne eine klare Strategie für den Erhalt der Industriearbeitsplätze zu liefern.

Aber der schwarze Peter liegt auch bei VW selbst. Der Konzern hat jahrelang auf dicke Margen im Premiumsegment gesetzt, während Tesla und chinesische Hersteller wie BYD die Massenmärkte eroberten. Die hauseigene Cariad-Softwaresparte war ein Milliardengrab statt einer Innovationsschmiede. Und der Diesel-Skandal von 2015? Die dafür fälligen Strafen und Rückrufaktionen haben den Konzern zig Milliarden gekostet – Geld, das in die Zukunft hätte investiert werden müssen.

100.000 Stellen – was bedeutet das wirklich?

Zum Vergleich: Der gesamte VW-Konzern beschäftigt weltweit rund 680.000 Menschen. 100.000 wegfallende Stellen entsprechen also fast 15 Prozent der Belegschaft. Das ist nicht "Umstrukturierung" oder "Versand" – das ist ein industrieller Flächenbrand.

Die vier deutschen Werke, die offenbar zur Disposition stehen, sind mehr als nur Produktionsstätten. Sie sind das wirtschaftliche Fundament ganzer Regionen. Hannover, möglicherweise Zwickau, weitere Standorte – wenn hier die Tore schließen, folgt eine Kettenreaktion: Zulieferer müssen schließen, Arbeitslosigkeit steigt, Kommunen verlieren Gewerbesteuereinnahmen.

Wo bleibt der Aufschrei?

Bemerkenswert ist: Die Reaktion der Politik wirkt fast schon abgestumpft. Keine Sondersitzungen, keine Rettungspakete. Vielleicht, weil man weiß, dass man diesen Kampf mit Subventionen allein nicht gewinnen kann. Vielleicht aber auch, weil die Einsicht reift, dass der Niedergang der deutschen Automobilindustrie nicht durch Geld, sondern nur durch strukturelle Reformen aufzuhalten wäre – und die sind politisch nicht gewollt.

Die IG Metall kündigt Widerstand an. Ob Streiks und Arbeitskämpfe das Ruder herumreißen können? Unwahrscheinlich. VW befindet sich nicht in einer Verhandlungsposition, in der man mit erträglichen Zugeständnissen davorkommen kann. Der Markdiktat ist brutaler als jeder Tarifvertrag.

Ein Neuanfang?

Vielleicht ist dieser radikale Schnitt die Chance für einen echten Neuanfang. VW muss sich schlanker, digitaler und effizienter aufstellen. Aber die Frage ist: Kann ein Unternehmen, das in den letzten Jahrzehnten vor allem durch Größe und Marktmacht überlebte, in einer neuen Ära bestehen, in der Agilität und Innovation überlebenswichtig sind?

Fest steht: Die 100.000 Stellenstreichungen bei VW sind nicht das Ende einer Krise. Sie sind der Anfang einer neuen Ära für die deutsche Industrie. Und es wird nicht das letzte Unternehmen sein, das diesen Weg gehen muss.

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