Demokratie stirbt

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📅 31.07.2026 🏷️ PolitikDemokratieFreiheit

Ukraine unter Beschuss: 70 Raketen, 280 Drohnen – und der Westen zählt weiter seine Sanktionen

Ukraine unter Beschuss: 70 Raketen, 280 Drohnen – und der Westen zählt weiter seine Sanktionen

📷 Sarah Bürvenich/Unsplash

Nacht der Raketen: Was die jüngste russische Angriffswelle wirklich bedeutet

In der Nacht zum 30. Juli hat Russland die Ukraine mit einer der massivsten Angriffswellen des Krieges überzogen: Dutzende Raketen, Marschflugkörper und Hunderte Drohnen – auch Kiew war Ziel. Mindestens acht Tote, mehr als ein Dutzend Verletzte, zerstörte Wohnhäuser und zivile Infrastruktur. Selenskyj meldete über 70 Raketen und Marschflugkörper sowie mehr als 280 Angriffsdrohnen, von denen über 260 abgefangen wurden. Man kann das als „erfolgreiche Luftverteidigung“ feiern. Man muss aber auch die Rechnung sehen: Jede Nacht wie diese kostet Menschenleben – und sie zeigt, wie weit die roten Linien verschoben sind.

Die Vorgeschichte, die niemand mehr erzählt

Es begann nicht im Februar 2022, sondern mit jahrzehntelangen gebrochenen Versprechen – von Budapest 1994 bis zu den Minsker Abkommen, die Russland nie ernsthaft einhalten wollte. Als Putin im Februar 2022 einmarschierte, sprach er von „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“. Vier Jahre später wissen wir: Es ging um Unterwerfung. Die aktuelle Angriffswelle folgt einem Muster, das sich seit Monaten verfestigt: Russland setzt auf Abnutzung – nicht nur an der Front, sondern an der Zivilbevölkerung, an der Energieinfrastruktur, an der Psyche eines ganzen Landes. Die Taktik ist brutal und rational zugleich: Wer die Ukrainer langsam zermürbt, muss am Ende nicht gewinnen, sondern nur länger durchhalten.

Wer zahlt den Preis?

Die Rechnung dieses Krieges bezahlen zuallererst die Ukrainer: Tote, Verletzte, Vertriebene, zerstörte Städte. Aber sie bezahlen auch wir – in Europa. Der Wiederaufbau wird Hunderte Milliarden kosten. Die Sicherheitsarchitektur, die wir uns nach 1945 aufgebaut haben, ist nachhaltig beschädigt, und die Rüstungsausgaben steigen überall. Gleichzeitig profitiert Russland noch immer von europäischem Öl- und Gasgeld über Umwege – ein Skandal, der viel zu selten benannt wird. Jeder Euro, der weiter in fossile Energien aus Russland fließt, finanziert die nächste Raketennacht mit.

Die unbequeme Wahrheit über „Unterstützung“

Ja, die westliche Unterstützung ist bemerkenswert: Waffen, Geld, humanitäre Hilfe, Millionen Geflüchtete wurden aufgenommen. Aber – und hier kommt die kritische Frage – warum hat es so lange gedauert? Warum zögerten Deutschland und andere Länder über Monate mit Panzern, Munition und Flugabwehr, immer mit dem Argument der „Eskalation“? Aus ukrainischer Perspektive sieht das nicht nach Stärke aus, sondern nach zögerlichem Krisenmanagement. Selenskyj hatte vor dem Angriff gewarnt – der Westen tat zunächst so, als sei eine Invasion undenkbar. Die Geschichte dieses Krieges ist auch eine Geschichte der verschleppten Entscheidungen.

Demokratie heißt: nicht wegschauen

Was die Ukraine verteidigt, ist mehr als ihr Territorium: Es ist das Prinzip, dass Völker selbst über ihre Zukunft bestimmen – das Kernprinzip der Demokratie. Wenn wir zulassen, dass ein Autokrat mit Gewalt Grenzen verschiebt, gilt morgen vielleicht woanders ein anderes Recht. Die „Ja, aber“-Perspektive ist dabei wichtig: Kritik an der westlichen Ukraine-Politik ist legitim – etwa an Korruption, an fehlender Transparenz bei Hilfsgeldern oder an militärischen Entscheidungen, die man hinterfragen darf. Aber diese Kritik darf nicht dazu führen, das große Bild aus den Augen zu verlieren: Hier greift eine Diktatur eine Demokratie an. Wer beides verwechselt, hat schon verloren – auch moralisch.

Die Frage ist nicht, ob die Ukraine diesen Krieg verdient hat. Die Frage ist, ob wir den Frieden verdienen, den wir so gerne beschwören – und ob wir bereit sind, den Preis dafür zu zahlen, bevor er noch höher wird.

🔗 Quelle: tagesschau.de – Massive russische Angriffe auf die Ukraine

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