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📅 28.08.2026 🏷️ UkraineDonbasDemokratie

Ukraine im Abwehrkampf: Selenskyj setzt für den „Festungsgürtel“ im Donbas auf neue Kommandeure

Ukraine im Abwehrkampf: Selenskyj setzt für den „Festungsgürtel“ im Donbas auf neue Kommandeure

📷 Picsum/Unsplash

Der Festungsgürtel hält – oder nicht?

Wer in diesen Tagen auf die Landkarte der Ukraine schaut, sieht eine Demokratie im Dauerstress. Während Moskau seine Angriffe auf die Städte des Donbas verstärkt, hat Präsident Selenskyj mit Andrii Biletskyi und Denys Prokopenko zwei neue Kommandeure ernannt, die den „Festungsgürtel" aus Kostjantyniwka, Kramatorsk und Slowjansk verteidigen sollen. Es ist der Versuch, eine Front zu stabilisieren, die seit Monaten unter Druck steht – und gleichzeitig ein Eingeständnis, dass die bisherigen Kommandeure an ihre Grenzen gekommen sind.

Die Vorgeschichte ist lang und blutig. Seit 2014 kämpft die Ukraine im Donbas, seit dem 24. Februar 2022 im großen Stil gegen eine russische Invasion, die nie als solche benannt wurde. Moskau setzt seit Jahren auf eine Strategie der verbrannten Erde: Städte werden nicht erobert, sondern zermahlen – mit Artillerie, Gleitbomben und jetzt offenbar auch wieder mit verstärkten ballistischen Angriffen auf Kiew, wie Bloomberg nach dem Scheitern der Friedensbemühungen berichtet. Der Westen liefert Waffen, aber oft zu spät und in zu geringen Mengen. Jede Verzögerung hat einen Preis, und den zahlen die Verteidiger in den Schützengräben des Donbas.

Die neuen Kommandeure sind bemerkenswert, weil sie keine Sowjet-Kaderschmiede durchlaufen haben, sondern den Krieg von der Front kennen. Biletskyi und Prokopenko stehen für eine Generation ukrainischer Offiziere, die gelernt hat, gegen eine übermächtige Armee zu bestehen – flexibel, dezentral, mit moderner Technik. Das ist die gute Nachricht. Allerdings muss man kritisch anmerken: Kommandowechsel allein gewinnen keine Abnutzungsschlacht. Ohne ausreichende Munition, Luftabwehr und die Freiheit, westliche Waffen auch gegen Ziele in Russland einzusetzen, bleibt der Festungsgürtel ein Symbol – ein tapferes, aber ein Symbol.

Die Perspektive Moskaus ist dabei erwartbar: Für den Kreml ist der Donbas kein Verhandlungsmasse, sondern ein „befreites Gebiet", das um jeden Preis gehalten werden soll – egal, wie viele russische Soldaten dafür sterben. Aus Sicht der Bewohner der Frontstädte stellt sich die Lage dagegen nüchtern dar: Sie haben längst keine Wahl mehr, ob sie kämpfen oder fliehen. Und aus Sicht der westlichen Demokratien ist die Rechnung einfach, aber unbequem: Wer autokratische Aggression nicht glaubwürdig stoppt, importiert den Krieg auf andere Weise – über Energiepreise, Flüchtlingsströme und eine Weltordnung, in der Grenzen wieder mit Panzern verschoben werden.

Am Ende ist der Kampf um den Donbas mehr als eine militärische Frage. Er ist die derzeit größte existenzielle Bewährungsprobe einer Demokratie gegen autoritäre Aggression. Jede Diskussion über Verhandlungen muss deshalb eine unbequeme Frage beantworten: Verhandelt man mit einem Aggressor, der Verträge bricht, oder zwingt man ihn erst an den Tisch, indem man seine Angriffe scheitern lässt? Die Ukraine hat sich für Letzteres entschieden – und verdient dafür nicht nur Worte, sondern das, was sie seit Jahren einfordert: Entscheidungen, die so schnell sind wie die Angriffe, gegen die sie sich verteidigt.

🔗 Quelle: theguardian.com – Ukraine war briefing: reboot of 'fortress belt' defences as Zelenskyy visits frontline

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