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📅 05.07.2026 🏷️ PolitikWirtschaftDemokratie

Krankschreibung ab Tag 1 – Wer den Preis für die Reform zahlen soll

Krankschreibung ab Tag 1 – Wer den Preis für die Reform zahlen soll

📷 Kassenärztliche Bundesvereinigung/Wikimedia Commons

Die Reform, die alle trifft

Die schwarz-rote Koalition legt ein Reformpaket vor, das es in sich hat. Kernstück: die Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag – verbunden mit der Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Ärzteverbände laufen Sturm, der CDU-eigene Arbeitnehmerflügel (CDA) fordert Nachbesserungen, selbst SPD-Gesundheitsexperten üben scharfe Kritik. Dabei wäre die Maßnahme eigentlich als Beitrag zur Entlastung der Sozialkassen gedacht.

Kontext: Was bisher galt

Bislang konnten Arbeitnehmer bis zum dritten Fehltag ohne ärztliches Attest zuhause bleiben – eine Deregulierung, die von Ärzten und Arbeitnehmern gleichermaßen begrüßt wurde. Die telefonische Krankschreibung, eingeführt während der Corona-Pandemie, bewährte sich als niedrigschwelliges Angebot für leichte Infekte. Ja, Missbrauch gibt es – allerdings in einem Umfang, der in keinem Verhältnis zu den Kosten einer flächendeckenden Rückabwicklung steht.

Wer zahlt den Preis?

Die Verlierer dieser Reform sind klar benennbar:

  • Arbeitnehmer mit leichten Infekten – sie müssen künftig wieder in überfüllte Wartezimmer, stecken andere an und belasten ein ohnehin überlastetes System.
  • Chronisch Kranke – sie werden monatlich zum Arzt geschickt, obwohl ihr Zustand bekannt ist.
  • Ärzte – Praxen sind bereits am Limit, die bürokratische Mehrarbeit durch Pflicht-AUs wird ohne zusätzliche Vergütung bleiben.

Die Gewinner? Die Arbeitgeberseite, die sinkende Krankenstände verspricht – obwohl Deutschland im internationalen Vergleich ohnehin unterdurchschnittliche Fehlzeiten aufweist. Der Wirtschaftsflügel der Koalition warnt vor einer Verzögerung dringender Entlastungen, während der Arbeitnehmerflügel Korrekturen anmahnt.

Der heiße Sommer der IG Metall

Die Debatte bekommt eine zusätzliche Brisanz durch die aktuellen Arbeitsproteste: 33.000 Mercedes-Beschäftigte demonstrierten bundesweit gegen den Sparkurs des Konzerns. Die IG Metall kündigt einen "heißen Sommer" für die Autobranche an. Wenn zeitgleich die Bundesregierung Arbeitnehmerrechte beschneidet während die Arbeitgeber Stellen streichen, entsteht ein toxisches Klima. Die Koalition sollte genau hinschauen, wer hier eigentlich die Zeche zahlt.

Reform, aber richtig

Klar ist: Reformbedarf besteht. Die Frage ist nur, ob eine Rückkehr zur Präsenz-AU ab Tag eins wirklich der richtige Weg ist. Ein moderner Sozialstaat setzt auf Vertrauen, nicht auf Generalverdacht. Gezieltere Maßnahmen – digitales Meldeverfahren, Stichprobenkontrollen – wären wirksamer und gerechter. Wer stattdessen mit der Brechstange Bürokratie zurückholt, riskiert nicht nur den Koalitionsfrieden, sondern auch den sozialen Zusammenhalt. Die CDA hat recht: Hier muss nachgebessert werden.

Quelle: tagesschau.de – Krankschreibung ab Tag 1: Koalition unter Druck

Quelle: zeit.de – IG Metall: 33.000 Mercedes-Beschäftigte protestieren

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