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📅 05.10.2026 🏷️ KIGeheimdiensteÜberwachung

Der KI-Zar aus dem Geheimdienst: Wie Trump die künstliche Intelligenz zur Staatssicherheitsfrage macht

Der KI-Zar aus dem Geheimdienst: Wie Trump die künstliche Intelligenz zur Staatssicherheitsfrage macht

📷 Picsum/Unsplash

Der KI-Zar kommt aus dem Geheimdienst

Es ist eine dieser Personalien, bei denen man zweimal lesen muss. Donald Trump hat Jay Clayton zum Sonderbeauftragten für Künstliche Intelligenz gemacht – den lange angekündigten „KI-Zar". Clayton ist seit August 2026 Director of National Intelligence, also der oberste Aufseher über alle US-Geheimdienste. Diesen Posten behält er. Den neuen Job soll er „neben seiner bisherigen Tätigkeit" ausüben, wie es heißt. Die Führung über die vielleicht wichtigste Zukunftstechnologie des Jahrhunderts wird damit einem Mann übertragen, dessen Tagesgeschäft geheime Operationen, Auslandsaufklärung und nachrichtendienstliche Machtmittel sind. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Richtungsentscheidung darüber, wem die künstliche Intelligenz künftig gehört – dem Bürger oder dem Sicherheitsapparat.

Was die „Super Intelligence Force" wirklich ist

Clayton soll die neue „Super Intelligence Force" (SIF) leiten, die binnen 120 Tagen eine Einschätzung zu Chancen und Gefahren von KI erarbeiten soll. In dem Gremium sitzen neben ihm der FTC-Chef Andrew Ferguson und Emil Michael aus dem Pentagon. Vertreter von Bürgerrechts- oder Wissenschaftsorganisationen wurden bislang nicht berufen. Das ist der entscheidende Satz. Wer KI reguliert, bewertet und ihre Grenzen zieht, entscheidet über die Freiheit der nächsten Jahrzehnte. Wenn in diesem Kreis nur Sicherheitsbehörden, Wettbewerbsaufsicht und Militär sitzen, dann ist die Antwort auf die Frage „Was darf KI?" von vornherein vom Sicherheitsdenken geprägt – und nicht von Grundrechten, Datenschutz oder dem Schutz der Schwächsten. Die Rechnung dafür zahlen am Ende die Bürger: mit ihrer Freiheit, ihrer Privatsphäre und ihrer Möglichkeit, staatlicher Macht etwas entgegenzusetzen.

„In keinster Weise behindern" – die Sprache verrät das Ziel

Bei einem Treffen mit KI-Bossen erklärte Clayton, wichtigstes Ziel für die nationale Sicherheit sei, die Führung bei Künstlicher Intelligenz zu behalten; man wolle die Entwicklung „in keinster Weise behindern oder abwürgen". Man muss diese Sätze ernst nehmen. „Führung" heißt im Sicherheitsjargon nicht Fortschritt für alle, sondern Überlegenheit gegenüber Konkurrenten – China zuerst, aber auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Und dass ausgerechnet der Geheimdienstkoordinator die Rolle des Bremsers ausschließt, ist eine Botschaft an die Industrie: Der Staat will nicht zähmen, er will mitregieren. Das ist auch deshalb brisant, weil es die USA an einen Punkt bringt, an dem KI-Politik, Geheimdienst und Waffenentwicklung organisatorisch ineinander fließen. Zuerst berichtete das „Wall Street Journal" über die Personalie – dass eine so weitreichende Entscheidung fast beiläufig bekannt wird, passt zur Sache.

Ja, aber – die Gegenseite hat ein Argument

Man muss fair sein: Es gibt ein legitimes Motiv hinter dieser Machbündelung. KI ist ein Risiko, das keine einzelne Behörde allein überblickt – autonome Systeme, Desinformation, Cyberangriffe, militärische Nutzung durch Autoritäre. Ein Staat, der hier völlig unkoordiniert bleibt, liefert sich aus. Wer die Sicherheitsrüstung eines Staates für überflüssig hält, muss erklären, wie man Despoten vom Missbrauch abhält, die KI ohne Rücksicht auf Grundrechte einsetzen. Allerdings muss man kritisch anmerken: Aus dem nachvollziehbaren Bedürfnis nach Koordination wird hier ein Modell, in dem die Kontrolleure selbst kontrollieren. Wer, außerhalb der Geheimdienste, prüft denn noch, ob der „KI-Zar" seine Macht missbraucht? Ein Kontrollgremium aus Sicherheitsbehörden hat noch nie eine Machtfrage gegen den Sicherheitsapparat entschieden. Und gewarnt wird seit Monaten auch vor dem Gegenteil: einer KI-Politik, die im Namen der Zeitenwende die Bürger zu Datenpunkten macht.

Was das für Europa und Deutschland heißt

Die USA machen vor, wohin die Reise geht – und Europa zieht teils hinterher: Auch hierzulande wächst die Bereitschaft, Datenschutz einzuknapsen, wenn es nur „Sicherheit" und „Wettbewerbsfähigkeit" verheißt. Der Digital Omnibus, das Werben der Reisebranche um biometrische Gesichtserkennung, der Ruf nach mehr staatlicher Technikkontrolle – überall geht es um dieselbe Frage: Behalten die Bürger die Kontrolle über die Werkzeuge, die über sie entscheiden, oder wandert diese Kontrolle endgültig an Behörden, Geheimdienste und Konzerne? Ein „KI-Zar" aus dem Geheimdienst ist das ehrlichste Signal, das es geben kann: Die künstliche Intelligenz wird zur Staatssicherheitsfrage erklärt. Wer die Macht über sie hat, entscheidet künftig nicht mehr in Parlamenten, über Gerichte oder in öffentlicher Debatte, sondern hinter verschlossenen Türen. Frieden, Freiheit und Demokratie brauchen aber das Gegenteil: Machtkontrolle, Transparenz und eine Öffentlichkeit, die mitreden darf. Sonst bleibt vom Fortschritt nur die Überwachung.

Quelle: heise.de – Der KI-Zar der USA kommt von den Geheimdiensten

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